AUGUST 2015

 

Asylsuchende als Arbeitnehmer

 

Im Gespräch: Davia Halfter (li.) und Nick Heinecke (3. von li.) fangen bei Heckmann eine Lehre an. Geschäftsführer Eberhard Kirsch und Ministerpräsident Dietmar Woidke (re.) gratulierten. © Foto: MOZ/Stefan Lötsch

 

Stefan Lötsch / 15.08.2015

Eisenhüttenstadt (MOZ) Die Heckmann Stahl- und Metallbau Ost GmbH in Eisenhüttenstadt ist bereit, bei Qualifikation Flüchtlinge einzustellen beziehungsweise auch auszubilden. Das sagte Geschäftsführer Eberhard Kirsch bei einem Besuch von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) in dem Unternehmen.

Das kommt dann doch eher selten vor, dass Auszubildende ihren Lehrlingsvertrag aus den Händen eines Ministerpräsidenten bekommen. Nick Heinecke und Davia Halfter ist es so ergangen. Am Donnerstag hat Dietmar Woidke (SPD) die Heckmann Stahl- und Metallbau Ost GmbH in der Oderlandstraße besucht, um mit den Geschäftsführern über die Ausbildungs- und Fachkräftesituation zu sprechen. Da bot es sich an, den zwei von drei angehenden Lehrlingen alles Gute zu wünschen für die dreieinhalbjährige Ausbildung, die demnächst beginnt. Auch Bürgermeisterin Dagmar Püschel (Die Linke) schloss sich den guten Wünschen an.

Drei Lehrstellen konnten, wie geplant, bei Heckmann wieder besetzt werden. Doch Helgo Stolz, einer der Geschäftsführer und zuständig für die Ausbildung, gibt zu, dass es immer schwieriger wird, geeignete Kandidaten zu finden. Gingen vor einigen Jahren noch 80 Bewerbungen ein, sind es inzwischen um die 15 - obwohl die Heckmann Stahl- und Metallbau Ost GmbH schon früh die Werbetrommel rührt, Schulen zu Praktika einlädt. Dabei, so sagt Senior-Chef Eberhard Kirsch, habe man noch nie nur auf den Abiturienten mit guten Noten geschielt. Auch mit durchwachsenen Zensuren hat man bei Heckmann eine Chance, bei entsprechender Leistung. Eberhard Kirsch betonte, dass man damit bisher sehr gut gefahren sei. "Wir hatten bisher nur einen einzigen Durchfaller." Und noch ein anderer Trend macht sich bemerkbar. Große Unternehmen werben Facharbeiter ab.

Ausbildung und Facharbeitermangel, das sind auch Themen, die die Landespolitik umtreiben. Eberhard Kirsch äußerte dem Ministerpräsidenten gegenüber, dass das Unternehmen bereit sei, auch Asylbewerber und Flüchtlinge zu nehmen. "Wir sind bereit, Leute auszubilden und bei Qualifikation einzustellen", sagte Kirsch und verwies auf ein Beispiel in Fürstenwalde. Dort hat dies das Unternehmen Reuther, das Stahltürme für Windkraftanlagen baut, vorgemacht. Mit guten Erfahrungen, wie sich Kirsch von dem dortigen Geschäftsführer hat bestätigen lassen.

Doch so einfach geht das nicht. Denn nur anerkannte Asylbewerber können eine Ausbildung anfangen. Doch die gibt es in Eisenhüttenstadt nicht, weil sich dort die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge befindet, deren Bewohner im Schnitt nach drei Monaten die Einrichtung verlassen.

Helgo Stolz erklärte derweil, dass man im Unternehmen Erfahrung habe mit einer Belegschaft aus unterschiedlichen Ländern. Kürzlich wurde ein Marokkaner eingestellt. Polen, Ukrainer und Russen stehen in den Werkhallen. Und das alles, so betont Stolz, ohne dass sich die einzelnen Landsmannschaften abkapseln.

Dietmar Woidke weiß um das Problem von Fachkräftemangel und nicht besetzten Lehrstellen. "Viele Firmen suchen händeringend Fachkräfte. Kurz vor dem neuen Ausbildungsjahr sind in ganz Brandenburg noch etliche Ausbildungsplätze unbesetzt." Er ermunterte deshalb: "Betriebe in Brandenburg sollen die Möglichkeit nutzen, gerade jungen Flüchtlingen und Asylbewerbern ein Praktikum anzubieten und sie bei entsprechender Eignung auszubilden." Das Engagement der Heckmann Stahl- und Metallbau GmbH sei deshalb löblich.

Der Ministerpräsident verwies auf die Möglichkeit, dass junge Migranten nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland an einer betrieblichen Erstqualifizierung teilnehmen dürfen - unabhängig vom Aufenthaltsstatus,  aber mit Zustimmung der Ausländerbehörde und gefördert von der Bundesagentur für Arbeit.

Bei der Erstaufnahme der Flüchtlinge und Asylsuchenden sollen in Zukunft noch mehr die bestehenden Qualifikationen abgefragt werden, forderte Dietmar Woidke darüber hinaus.